Die vier Karate-Stile

FUNAKOSHI kam 1922 im Alter von 55 Jahren allein nach Japan, um Karate vorzustellen. Vorausgegangen war eine Karatevorführung auf Okinawa anlässlich des Besuchs des Kronprinzen in Naha. Daraufhin wurde FUNAKOSHI nach Japan eingeladen, wo die Kriegskünste sehr populär waren. In Tokio sollte in diesem Jahr eine große Schau der Leibeserziehung stattfinden, für die JIGORO KANO, der Begründer des modernen Judo, verantwortlich war. FUNAKOSHI wollte eigentlich nach dieser Vorführung des Karate wieder nach Okinawa zurück, blieb aber dann auf vielfältigen Wunsch in Japan, um Karate zu lehren. Unterstützt von KANO legte er (dem Vorbild des Judo folgend) den Wert mehr auf die richtige innere Einstellung, den Geist, im Sinne des Do. Angeregt durch seinen Erfolg, kamen bald noch andere Karatemeister von Okinawa nach Japan, um auch dort ihre Kunst zu verbreiten. Obwohl es für FUNAKOSHI nur ein Karate gab, war es unvermeidlich, dass die verschiedenen Karatemeister "ihr" Karate unter bestimmten Namen einführten, um ihre eigene Auffassung von Karate populär zu machen.

Der Shito-Ryu-Stil

KENWA MABUNI (1893-1957) hatte von ITOSU und HIGAONNA gelernt. Er machte eine Synthese aus beiden Karaterichtungen (Shorin-Ryu und Shorei-Ryu), benützte für den Namen seines neuen Lehrstils die Initialen der beiden Meister und nannte ihn Shito-Ryu. Er unterrichtete dieses System auf Okinawa und machte auch häufige Besuche in Japan. Im Jahre 1929 kam er endgültig nach Osaka, um Karate zu unterrichten. Shito-Ryu ist heute einer der vier größten Karatestile Japans.

Der Goju-Ryu-Stil

(wörtlich: "Hart-weich")
Von den verschiedenen japanischen Karatestilarten lässt Goju-Ryu noch am deutlichsten den chinesischen Ursprung erkennen. Von KANRYO HIGAONNA (Naha-Te) lernte CHOJUN MIYAGI (1888-1953). Beide studierten chinesisches Boxen (Shaolin Chuan und Pa Kua Chuan). MIYAGI nannte seinen Stil dann Goju-Ryu. 1929 kam er auf Einladung von GOGEN YAMAGUCHI nach Kyoto. Später ernannte er YAMAGUCHI zu seinem Nachfolger in Japan. Unter dem Namen Goju-Ryu stellte MIYAGI sein Karate 1930 beim Butoku-Fest im Butoku-Kan in Kyoto vor. Goju-Ryu lehrt eine besondere Atemtechnik zur Entwicklung von Stabilität und Kraft.

Der Wado-Ryu-Stil

(Wado = der Weg des Friedens)
HIRONORI OHTSUKA begann 1922 mit dem Karatetraining bei GICHIN FUNAKOSHI (er hat allerdings auch bei KENWA MABUNI und CHOKI MOTOBU gelernt). Vorher hatte er schon das Shindo Yoshinryu Jujutsu studiert. In der Folgezeit entwickelte er seinen eigenen Karatestil, indem er das Karate, das er bei FUNAKOSHI gelernt hatte, vor allem mit Ausweichbewegungen des Jujutsu kombinierte und auch sonst Bewegungen entwickelte, die " körperfreundlicher" waren. Die Bewegungen sind kleiner, die Stellungen kürzer.

Der Shotokan-Stil

"Shoto" war FUNAKOSHIS Künstlername und bedeutet "das Rauschen der Kiefernwipfel". Die Trainingshalle wurde 1939 nach seinem Künstlernamen "Shotokan" genannt und bildete später den Namen für das Karate des FUNAKOSHI (obwohl er, wie schon erwähnt, sehr gegen diese Stilrichtungsbezeichnungen war).

"27 Shotokan Katas" Albrecht Pflüger 2003 DOKAN-Verlag